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Portraitfotografie, und warum es eigentlich gar nicht so schwer ist!

Nach langem Überlegen, verdrängen, vergessen und dann doch fest vorgenommen – mein erster Blogeintrag. Ich gebe mein Wissen und meine Erfahrung gerne weiter, ich empfinde da kein Konkurrenzdenken, da sowieso jeder sein eigenes Ding daraus macht, seinen Geschmack und seinen Stil findet. Bitte beachtet, dass es sich hierbei um meine Arbeitsweise bzw. meine Sicht der Dinge dreht, in der Fotografie gibt es unendlich viele Wege die zu einem Foto führen, richtig oder falsch gibt es ganz selten. Was könnt ihr aus den folgenden Zeilen mitnehmen? Nun, ich möchte hier ein paar Einblicke in meine Arbeitsweise, ein paar Tipps und auch was zur Ausrüstung schreiben, nehmt euch einfach die Punkte raus, die euch hilfreich erscheinen – idealerweise: ausprobieren! Das Portrait ist für mich persönlich mein Lieblingsgebiet in der Fotografie, einen Menschen entweder ganz natürlich abzubilden, so wie er ist, oder aber auch mit viel Make-Up, Accessoires, Licht usw. etwas Besonderes, surreales oder auch plastisches schaffen – ich rede nicht von Vergrößerung der Oberweite, Speckröllchenentfernung oder eine Schlauchbootlippe ;-)

 

Bei einem natürlichen Portrait spielt für mich immer Tageslicht oder „available light“ eine unverzichtbare Rolle, der Schimmer der Haut, das Glänzen der Augen, die Farbe der Haare und Kleidung, all das kommt hier meiner Meinung nach am besten zur Geltung, das Studioportrait mit Blitzlicht kann da nicht mithalten. Portrait in geschlossenen Räumen: Wurde im Laufe der Zeit zu meinem Lieblingsportrait, es ist immer gemütlich, man hat alles bei der Hand was man braucht, und es ist einfacher als man denkt um an tolle Ergebnisse zu kommen. Im einfachsten Fall benötigt man ein Fenster, ein Model, eine Kamera, ein lichtstarkes Objektiv (Blende 2 oder größer ist ideal, gibt es oft schon für kleines Geld zu haben), zusätzlich kann man noch mit einem Faltreflektor arbeiten (billige Alternative, weiße Styroporplatte als Aufheller).

 

Kamera: welche Marke, ob Vollformat oder nicht, spielt hier nicht so die große Rolle. Für spätere Bildbearbeitung am PC sollte sie jedoch das RAW Format (Rohdaten) produzieren können. Ich fotografiere seit mehreren Monaten mit einer Sony a7 II, dazu verwende ich Zeiss Objektive (55mm 1.8, 85mm 1.8, das 35mm steht auf der teuren Wunschliste)

 

Viel wichtiger ist aus meiner Sicht das Objektiv: ich fotografiere fast ausschliesslich mit sogenannten Festbrennweiten, also Objektive, bei denen man nicht zoomen kann. Was ist der Vorteil? Diese Objektive sind einerseits sehr lichtstark, sehr scharf und der Fotograf ist gezwungen sich zu bewegen! Warum das ein Vorteil sein soll? Nun ja, die Perspektive macht oft erst das gewisse Etwas im Bild aus, wer sich nicht bewegt sondern ständig nur ran- und wegzoomt, der wird vieles erst gar nicht sehen oder aus Bequemlichkeit ausprobieren – also immer schön bewegen. Klassische Brennweiten für die Portraitfotografie sind z.B. 50mm/55mm/85mm oder auch 100mm, in den letzten Monaten geht der Trend jedoch auch verstärkt zu 35mm, wobei man hier bedenken sollte, dass man sich schon im leichten Weitwinkelbereich befindet, und die Verzerrung/Abbildung des Gesichts bei Nahaufnahmen nicht mehr der Realität entspricht, und Frauen mit Knollnasen und Schlitzaugen finden euch dann nicht besonders chillig ;-) als Stilmittel um mehr von der Umgebung mit aufs Bild zu bekommen aber absolut empfehlenswert.

 

Reflektor: nicht immer notwendig, aber manchmal gut wenn man ihn dabei hat. Ich verwende hier einen günstigen Faltreflektor (bekommt man ab 20€), ich nutze diesen hier von Walimex. Wichtig sind weiß bzw. silber als Beschichtung, weiß hellt das Gesicht eher sanft auf,, während silber Sonnenlicht stärker reflektiert und den Augenreflex besonders betont, was bei Portraits ja gewünscht ist, die sogenannten leuchtenden Augen. Wer steht/sitzt wo, wie beginne ich? Wenn man noch ganz neu in der Fotografie ist empfehle ich die einfachste Form des Portraits – mit Fensterlicht. Dabei befindet sich das Fenster im Rücken des Fotografen, das Model blickt stehend oder sitzend in Richtung Fenster, dadurch wird das Gesicht gleichmäßig ausgeleuchtet, und die Augen werden perfekt betont, an regnerischen Tagen kann hier noch zusätzlich der vorhin erwähnte Reflektor zur Hilfe genommen werden, je nach Winkel und Lichteinfall, Position der Fenster so verwenden, dass das Gesicht/Gesichtsschatten des Models aufgehellt werden. Kameraeinstellungen: viele Portraits nutzen die kontrollierte Schärfe/Unschärfe als Stilmittel, das Bild bekommt mehr Tiefe, wirkt aufregender und fesselt den Betrachter.

Erreichen kann ich das indem ich sehr offenblendig fotografiere (1.4, 1.6, 1.8, 2.0, 2.2), dadurch wird der Schärfebereich zwar je nach Abstand zum Model sehr gering, was auch dazu führen kann, dass der Schärfepunkt bei fehlender Routine nicht oft dort sitzt, wo man ihn gerne hätte, aber Übung macht hier den Meister. Fokussiert wird bei einem klassischen Portrait immer auf das Auge, welches näher zur Kamera ist.

Die Verschlusszeit spielt eher eine untergeordnete Rolle, abhängig natürlich von den Lichtverhältnissen, wenn ihr freihändig, also ohne Stativ, fotografiert, solltet ihr darauf achten nicht unter 1/80 zu gehen, da ihr sonst schnell ein verwackeltes Bild bekommt. Kameras und auch Objektive gibt es auch mit Bildstabilisatoren, ich komme bei meiner auch leicht auf 1/40 ohne zu verwackeln, einfach austesten.

 

Bildaufteilung: ob Hochformat, Querformat, Model mittig oder nach der Drittelregel positioniert, alles Geschmacksache und eure Entscheidung, spielt ebenso mit der Perspektive, oft entstehen sehr schöne Unschärfebereiche wenn das Model vor euch am Boden sitzt und ihr von oben fotografiert.

Ich hoffe ihr habt nun alles was ihr braucht, um loszulegen – viel Spaß beim Fotografieren, hinterlässt mir gerne einen Kommentar, ob es euch geholfen hat, oder stellt eine Frage, wenn ich auf den einen oder anderen Punkt genauer eingehen soll.

 

Wer noch immer nicht genug Rüstzeug hat, ich biete auch Einzelcoachings an, von der Begleitung beim Shooting bis hin zur Bildretusche in Lightroom/Photoshop – bei Interesse nehmt gerne Kontakt mit mir auf.

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Dessislaw Pajakoff (Mittwoch, 11 Mai 2016 21:13)

    Ohne Herumgerede auf den Punk gebracht. Nach dem Lesen habe ich gleich Lust bekommen zur Kamera zu greifen.

  • #2

    Christoph Smahel (Donnerstag, 12 Mai 2016 09:52)

    Vielen Dank Dessi für dein Feedback, wenn ich damit sowas bewirken kann, scheint doch alles richtig gewesen zu sein - auf gute Bilder!